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Zusammenfassung

Hintergrund:

Die aktive Überwachung (AS) ist eine zunehmend angewandte Strategie zur Behandlung von lokalisiertem Prostatakrebs, doch gibt es nach wie vor nur wenige zuverlässige Biomarker zur Vorhersage des Krankheitsverlaufs. Ein niedriger Testosteronspiegel wurde bei der Diagnose mit Merkmalen eines aggressiven Prostatakrebses in Verbindung gebracht, doch seine Rolle beim Fortschreiten der Grading-Gruppe während der AS bleibt unklar.

Ziel:

Bewertung des Zusammenhangs zwischen den Testosteronspiegeln im Serum zu Studienbeginn und dem Fortschreiten der Grading-Gruppe bei Männern, die sich wegen lokalisierten Prostatakrebses einer AS unterziehen.

Methoden:

Wir führten eine retrospektive Kohortenstudie mit 924 Männern durch, die zwischen 2001 und 2024 in ein AS-Programm aufgenommen wurden, mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 46,1 Monaten bei denjenigen, bei denen keine Progression auftrat. Die Serumtestosteronspiegel wurden als niedrig eingestuft, wenn sie einen Schwellenwert von ≤ 300 ng/dL gemäß den Empfehlungen der Leitlinien erreichten. Primäre Endpunkte waren das Fortschreiten der Biopsie in die Gradgruppe 2 (GG2) oder ein „extremes“ Fortschreiten in die Gradgruppe 3 oder höher (GG3). Zur Beurteilung der Zusammenhänge zwischen Testosteronspiegeln und Progression wurden multivariable Cox-Proportional-Hazards-Modelle verwendet, adjustiert für Alter, prostataspezifische Antigen (PSA)-Dichte und Biopsie-Tumorvolumen. Potenzielle klinisch relevante Störfaktoren wie BMI, Raucherstatus und ethnische Zugehörigkeit wurden ebenfalls berücksichtigt.

Ergebnisse:

Unter den 924 Männern betrug das Durchschnittsalter 63,6 Jahre (SD 8,1) und die durchschnittliche PSA-Dichte 0,13 ng/mL2 (SD 0,14). Der durchschnittliche Testosteronspiegel zu Studienbeginn betrug 394 ng/dL (SD 160,4), wobei 29,4 % (n = 272) der Männer einen Testosteronspiegel von ≤ 300 ng/dL aufwiesen. Ein niedriger Testosteronspiegel war mit einem statistisch signifikant erhöhten Risiko für eine GG3-Progression assoziiert (HR 1,61, 95 % KI 1,03–2,51, P = 0,04). Darüber hinaus deuteten die Ergebnisse darauf hin, dass ein niedriger Testosteronspiegel nicht mit dem Risiko einer GG2-Progression assoziiert war (HR 1,23, 95 % KI 0,93–1,64, P = 0,15). Die Ergebnisse blieben konsistent, wenn alternative Cut-off-Werte für Testosteron verwendet wurden und wenn andere potenzielle Störfaktoren berücksichtigt wurden.

Schlussfolgerungen:

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein niedriger Testosteronspiegel zwar nicht eindeutig mit einer moderaten Progression (GG2) assoziiert ist, jedoch das Risiko einer „extremen“ Progression zu GG3 oder höher erhöhen könnte. Zukünftige Studien sollten sich auf die prospektive Validierung unserer Ergebnisse konzentrieren, um den biologischen Zusammenhang zwischen Androgenen und der Progression von Prostatakrebs aufzuklären.

 

Originaltext hier >> https://www.auajournals.org/doi/full/10.1097/JU.0000000000004986